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Mumbai…

Januar 27th, 2012 · von ben gunn · Keine Kommentare

Was soll manüber Indien schreiben, ohne über Klischees zu schreiben? Geht wahrscheinlich nicht. In einem Einführungsvortrag wurde gesagt, in Mumbai finde man ganz Indien, aber Mumbai sei nicht Indien. Darunter kann man sich erstmal nicht viel vorstellen, aber wenn man ein paar Tage lang durch die Slums läuft, mit den Leuten dort spricht, mit den Kindern herumalbert und am Nachmittag durch die Reichenviertel fährt…

Aber ich versuche es zu sortieren:

Zuerst: Weiß sein, Englisch sprechen und in die Nähevon 1,90m Körpergröße heranreichen, bedeutet einfach immer und überall gesehen und erkannt zu werden. Kinder wollen sprechen, anfassen, Fotos machen, Frauen tuscheln untereinander und Männer reagieren verhalten. Es gibt aber einfach keinen unbeobachteten Moment, wenn man stehen bleibt bildet sich eine Menschentraube um einen herum und wartet darauf, was passiert.

Danach: Ich bin fremd. Ich dringe in das Privatleben anderer Menschen ein. Wie verhalte ich mich? Wie verhält man sich üblicherweise und sollte ich mich so verhalten, wie sich alle verhalten? Gibt es für mich einen Trottelbonus?

Und dann: Die Sinne aufhalten, kein Tourist werden. Wenn man vesuchen will sich die Auswirkungen von Kolonialismus, von Religion und Kastenwesen im Alltag zu erschließen muss man auf furchtbar winzige Anzeichen achten: Wer spricht wie mit wem, wer ist wie angezogen, spricht welche Sprache, welche Gestik/Mimik gibt es? Was sind die ungeschriebenen Gesetze?

Zuletzt: Ankommen.

Alleine die Ankunft war schon überwältigend, atemberaubend und erschlagend. Ich kann gar nicht jeden Tag beschreiben und zusammenfassen, es sei denn ich würde hier eine ganze Serie daraus machen und selbst dann würde ich der Situation nicht gerecht werden.

Wir sind von Fahrern mit Jeeps (des Institutes) am Flughafen abgeholt worden. Es war 1 Uhr in der Nacht, aber es herrschte Hochbetrieb. Alle Klamotten in den Wagen geworfen, eingestiegen und schon ging es los. Man fährt unter den Baustellen der Hoch-Autobahn durch, an riesigen Baustellen vorbei, die in den Himmel ragen, durch enge kleine Straßen. An den Straßenrändern drängen sich kleine Buden, davor sitzen die, die nicht schlafen können. Auf den Bürgersteigen Müllberge, ab und zu ein Feuer, auf dem Essen gekocht wird. Die obligatorischen Kühe liegen herum und käuen ihre Mahlzeit aus Müll und Essensresten wieder. Hin und wieder liegende menschliche Körper, nur mit einer Decke zugedeckt auf dem Bordstein, unter einer Laterne oder wo auch immer es eine freie gerade Fläche gibt, für die, die gar nichts mehr haben.

Beleuchtet wird das ganze von diesem bestimmten, alten Straßenlampentyp, der alles in ein sattes, goldenes Gelb taucht. Die Temperaturen liegen bei 19-20°C und die Luft ist vergleichsweise klar.

Irgenwann dann Chembur, im Vorbeifahren sieht es erst wie ein Industriegebiet aus, dann erkennt man geschlossene Geschäfte, ab und zu eine Wohung, ein eisernes Tor wird aufgemacht, die Jeeps fahren auf den Hof, in der Nähe Hundegebell. Der Wachmann schließt das Tor, wir sind im Hotel.

Tags: Allgemein

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