Wenn man den Reichsparteitag der CDU verfolgt, merkt man eigentlich relativ schnell wo das Problem liegen könnte.
Man sieht nur alte Männer, oder alte Frauen, die sich benehmen wie alte Männer. Da entblödet sich ein feister Mappus nicht die Anti-AKW-Bewegung die seit 30 Jahren Alternativen entwickelt, eine gesellschaftliche Diskussion eröffnet und geführt hat als “Blockierer” und “Verhinderer” zu bezeichnen (was für ein Demokratieverständnis!) und was noch viel spannender ist: “Verhindern” und “Blockieren” sind nur die negative Beschreibung von “konservativ” also “erhaltend” oder “bewahrend”.
Ich schrieb schon mal über die Paradoxie zwischen konservativ und progressiv, aber hier kann man es schön beobachten, denn gleichzeitig wird das christliche Menschenbild aus der Mottenkiste gezaubert. Eine Partei, die das Elterngeld für HartzIV-Empfänger streicht, das Kindergeld mit den Leistungen verrechnet, Pille und Abtreibung aber übernimmt, eine Partei die Homosexuellen nicht die gleichen Rechte wie Heterosexuellen zugestehen möchte, eine Partei die noch nicht einmal einen Mindestlohn durchsetzen möchte, die HartzIV noch verschärfen will, die Gesundheit ihrer Bürger vom Geldbeutel abhängig macht, die Steuergelder nimmt und an Banken verschenkt, die das Asylgesetz verschärft hat… diese Partei erzählt etwas von christlichen Werten und der dumpfe Parteikader klatscht begeistert.
Wenn es nicht so ekelhaft wäre, könnte man nur noch lachen, was kann man daraus aber schließen?
Sie haben nichts mehr über, als Moral. Moral kann man schön vor sich herumtragen, vorzeigen, von anderen einfordern und man muss nichts dafür tun.
Die CDU hat also nachweisbar nichts mit “christlich” zu tun, sie haben nichts mit Moral am Hut und sie haben nichts mit einer zukunftsweisen Politik zu tun.
Aber immerhin können sie noch was vom “christlichen Menschenbild” faseln, von dem auch niemand weiß, was das eigentlich bedeuten soll, wenn man all das abzieht was die CDU so macht…
20 Antworten bis jetzt ↓
1 marc // Nov 17, 2010 at 12:03
Der CDU geht es um Themen die konservativ sind. Das ist eben der Unterschied zu anderen Parteien, das kannst du ihnen nicht zum Vorwurf machen. Progressiv zu sein ist einfach (und cool), dagegen zu sein ist auch einfach (und auch cool). Konservativ erhaltend zu sein ist ja schon fast politisch unkorrekt. Es zieht unter anderem auch deinen Hass auf sich. Die wahren Antworten auf fast alle Fragen (das wirst du in deinem (Berufs-) Leben noch festellen) gibt es nicht bei den progressiven Geistern.
Christlich ist übrigens nicht: mehr Sozialhilfe, keine Eigeninitiative, noch mehr Yoga-Kurse für Kassenpatienten, einer Gesellschaft das Fundament rauben durch ein planloses Asylgesetz (wir sehen ja gerade die Früchte planloser “Integration”).
Die linke Sozialpolitik der 70er Jahre hat uns dahin geführt wo wir heute sind: das Sozialsystem steht in fast allen Bereichen (Pflege, rente, Krankheit, Staatsverschuldung) vor dem Kollaps. Ist es christlich es noch mehr vor die Hunde gehen zu lassen?
Und jetzt komm nicht mit “die reichen tun zu wenig”, fast alles was es an Staatseinnahmen gibt kommt von reichen und Firmen. Und ja, auch von Banken.
2 ben gunn // Nov 17, 2010 at 12:48
naja, sie sind eben nicht konservativ, wenn sie Werte wie das Solidarsystem abschaffen wollen, wenn sie das Gesundheitssystem zerlöchern und wenn sie (von Bismark angestossene) Mechanismen zur Wahrung des sozialen Friedens zerlegen. Dann sind sie eben nicht konservativ, so oft sie das auch von sich selber sagen werden.
Aber selbst in meinem Berufsleben (was ich hatte und habe, vielleicht schockiert dich das, aber es gibt tatsächlich Menschen die mich bezahlen für das was ich tue) habe ich keine “wahren” Antworten finden können, denn die gibt es nicht, aber ich werde mal fragen, ob ich wieder mit Faustkeil arbeiten darf, weil ich “die guten alten Werte” erhalten möchte…
Guck dir mal bitte die Zahlen zum Asylverfahren an und dann denk nochmal drüber nach, wem da welches Fundatment geraubt wird, oder wolltest du nur nett verpacken “Die Ausländer sind schuld!”? Die Welt ist dann doch etwas komplexer, wo kommen denn Flüchtlinge her und warum? Was ist das Ergebnis unserer Rüstungsexporte, wenn nicht Kriegsflüchtlinge, was ist das Ergebnis unserer Wirtschaftspolitik, wenn nicht Wirtschaftsflüchtlinge und was ist das Ergebnis unserer Umweltpolitik, wenn nicht Umweltflüchtlinge. Ich werde mich auch nicht an der Mär von “planloser Integration” abarbeiten, dazu ist mir die Zeit zu schade.
Wie kommen denn “Reiche” und “Unternehmen” zu ihren Gewinnen? Fallen die vom Himmel? Oder nutzen sie Menschen die in staatlichen Schulen ausgebildet wurden, auf von Steuergelder errichteten Straßen zur Arbeit fahren und auf denen die Waren transportiert werden? Und wer kauft eigentlich die Produkte dieser “Unternehmen”?
Bist du wirklich so naiv?
Meinst du mit “Eigeninitiative” vielleicht den Bankenrettungsfond, die ausgesetzte Erbschaftssteuer, die 0€ Steuern die VW zu zahlen hat? Oder meinst du einen Behinderten der Flaschen sammeln geht um sich einen neuen Rollstuhl zu kaufen? Oder Schüler die ihre Klassenräume selber renovieren müssen, damit sie nicht krank werden vom Schimmel an den Wänden? Oder meinst du Banker, die sich selbst beim Bankrott ihrer Bank für die erfolgreiche Durchführung Millionen-Boni auszahlen?
“Eigeninitiative” ist die billige Parole um Leuten den schwarzen Peter zuzuschieben. Der Arbeitslose ist selber schuld, nicht die Rationalisierung. Der Kranke ist selber schuld, nicht das, was ihn krank gemacht hat. “Die Ausländer” sind selber schuld, nicht unser Umgang mit ihnen…
3 marc // Nov 18, 2010 at 11:20
Schau mal alles was du und ich oben geschildert haben beruht auf 2 ideologischen Gegensätzen: glaubt man die Wirtschaft (und wirtschaftende Menschen) sind der Rückgrat unseres Erfolges oder ist es eher der Staat mit seinen steuernden Mechanismen? Geht es den Menschen (auch den armen) gut in Deutschland oder schlecht? Leben wir dem System eher im Sozialismus oder im Kapitalismus? Tragen Unternehmen viel bei zu allem was wir sind oder sind sie Teil des problems? Leben wir in einer immer mehr auseinanderdriftenden Gesellschaft oder klappt es beim Miteinander?
Ich sage eher ersteres, du eher zweiteres. Die Wahrheit liegt dazwischen.
Ich arbeite schon länger, wie du wohl auch: noch nie hat mich ein Unternehmer gezwungen für ihn zu arbeiten. Er hat mir hingegen immer meinen Spass und meinen Urlaub finanziert. Von den Steuergelder von Unternehmen und wirtschaftenden Menschen (die für ähnlich wie Unternehmer sind, für mich gibt es da keinen großen Unterschied) konnte ich studieren und sie Strassen befahren. Heute zahle ich das zurück und ich zahle auch die arbeitslosen und die kranken-was ich gerne tue, denn es könnte auch mich treffen. Ich möchte mir aber nicht immer von links anhören ich nutze nur und tue nichts-nur der nicht-wirtschaftende nutzt und tut nichts.
4 marc // Nov 18, 2010 at 11:35
Und nochmal zu deinen Ausführungen “wie kommt der Unternehmer zu seinen Gewinnen”. “der Unternehmer” ist immer ein mystifiziertes, gieriges Wesen. Der Unternehmer ist aber jeder-gerade im mittelständisch geprägten Deutschland. Natürlich baut der Staat seine Strassen-er baut auch die Strassen mit denen ich zur Arbeit fahre. Natürlich kauft der kleine Mann den Joghurt des Unternehmers-dafür hat er aber auch ein Joghurt, dass ihm 79 cent wert war, weil es ihm schmeckt. Wirtschaft funktioniert so. Ich zahle ja nur Steuern damit der Staat Strassen baut, sonst bräuchte ich ihn ja nicht. Die Schulen zahlen ich übrigens auch nur, weil ich erwarte, dass aus ihr Mitglieder für die Gesellschaft hervorgehen die ideell und materiell alles wieder zurückzahlen werden. Auch sonst bräuchte ich den Staat nicht.
Und noch eine Ergänzug zu den oben aufgezählten ideologischen gegensätzen:
Du glaubst der behinderte muss Flaschen sammeln, weil wir so unsozial geworden sind. Ich glaube er muss sammeln, weil wir im ausufernden Sozialstaat kein geld mehr haben für die wirklich bedürftigen.
Wir würden wieder beide den Schuldigen woanders suchen. Ich suche die Schuld jedenfalls nicht beim Banker der 500.000 verdient und davon 200.000 in die Steuerkasse einzahlt.
5 marc // Nov 18, 2010 at 11:52
Typisches deutsches Sozialbeispiel: Rente mit 67. Die Lebenserwartung ist exorbitant gestiegen (um 11! Jahre in den letzten 50 Jahren), die baby-boomer gehen bald in Rente, wir haben keine Kinder mehr und die Arbeitskräfte gehen bald aus.
Aber: länger arbeiten ist Raubbau am Sozialstaat. Ich kann des Betroffenen nicht übelnehmen dass sie protestieren (mich trifft es ja auch) aber: wir sind dick und fett geworden bei unseren Sozialansprüchen und die reichen handeln effizient (wenn auch unmoralisch) wenn sie dieses Land verlassen (was kein Problem für sie sein wird).
Zukunftspolitik (die leider nicht durchsetzbar sein wird) ist jenseits der unsozialen Forderungen von CDU und FDP, so viel sei mal gesagt.
6 marc // Nov 18, 2010 at 12:23
“Der Arbeitslose ist selber schuld, nicht die Rationalisierung”: nein, der Arbeitslose ist nicht selber schuld-schuld sind Politiker und Gewerkschaften die den armen Arbeitnehmern ein Leben lang erzählt haben Opel geht nie pleite. Opel kann aber pleite gehen wenn keiner mehr die scheisskarren fahren will. Und: rationalisierung gibt es immer da, wo etwas ineffizient ist. Zu recht, nur deshalb sind die westlichen Länder reich. Und mit ihr du und ich. Oder wilst du dich in die Tradtion der Leute einreien, die mal gesagt haben PCs vernichten Arbeitsplätze?
“der kranke ist selber schuld”: kein kranker ist selber schuld. Er hat aber in D eine der besten Versorgungen weiltweit. Und er zahlt wie jeder in eine Versicherung die sich decken könnte.
“die Ausländer sind schuld”: auch hier: nein. das behaupten nur die rechtsparteien. Schuld sind die Gutmenschen, die am liebsten alle Flüchtlinge ins Land holen wollen, sie dann aber in ihren Ghettos verschimmeln lassen. KEINER meine linken Freunde hat Freunde im ausländischen Arbeitermilieu-süße spanische Ausstauschstudentinnen, die keine Probleme haben, kennen sie hingegen viele (“funktioniert doch mit Multikulti, du konservativer”).
Du siehst: ich stimme dir eigentlich zu, nur ich ziehe andere Schlüsse.
7 ben gunn // Nov 18, 2010 at 12:23
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll… aber wenn du das Sozialbeispiel nimmst unterschlägst du folgendes: Die Produktivität ist massiv gestiegen, die Ausgaben für den Sozialstaat aber leider nicht.
Deine Ausführungen erinnern mich ans TINA-Prinzip “there is no alternative” und dem ist nicht so. Wenn uns die Arbeitskräfte ausgehen, warum haben wir dann 7 Millionen Menschen, die ergänzende Leistungen bekommen? Ich glaube auch nicht an die Polarität zwischen Staat und Wirtschaft, denn wo willst du da mittlerweile die Trennung ziehen?
Nimm das Wirtschaftswunder als Beispiel: unser Land, unsere Wirtschaft und damit auch wir haben so hohe Gewinne gehabt, weil wir Gastarbeiter in diesen Land haben kommen lassen, ohne uns um deren soziale Absicherung oder deren soziale Teilhabe zu kümmern, jetzt stehen wir vor einem angeblichen “Intergrationsproblem” und verneinen unsere Schuld und unseren Profit daran. Wenn jetzt höhere Sozialausgaben auf uns zukommen, sagen wir “Raubbau am Sozialstaat”, wären wir ehrlich müssten wir sagen wir zahlen den gesellschaftlichen Kredit zurück bzw. beteiligen diejenigen, die unseren Wohlstand erst möglich gemacht haben.
Was in diesem Land passiert nennt man “Wohlstandschauvinismus” ein verächtliches Herabblicken auf die, die weniger haben. Und ich sage auch, dass unsere Gesellschaft auseinanderdriftet und nein, kein Unternehmer wird dich zwingen bei ihm zu arbeiten, dass übernimmt jemand anderes, dass übernehmen HartzIV und andere Zwänge.
Das Grundproblem ist dann doch, dass Sozialstaat nie effizient sein kann und alle Versuche einen Sozialstaat effizient zu machen müssen zwangsläufig eine Abschaffung desselben zur Folge haben.
8 marc // Nov 18, 2010 at 13:07
Ja, ich gebe dir bei allen Ausführungen garnicht so unrecht. Natürlich haben wir die Gastarbeiter geholt, natürlich haben wir sie ausgenutzt-das ändert nichts an dem Problem dass es gibt, von wem auch immer verschuldet.
Aber nochmal, wir kommen da ideologisch nicht zusammen, wir wollen beide eine unterschiedliche Gesellschaft. Du sprichts vom “zwang” für den Unternehmer zu arbeiten. Klar gibt es einen “zwang” für sich zu sorgen, für seine Existenz zu kämpfen. Arbeiten ist per se unangenehm, aber führt zu Früchten. Eine Ideologie die das nicht will, die den Menschen nicht als eigenverantwortlich für sich selber sieht (unter was für Umständen auch immer er lebt oder startet, von was für Mächtigen auch immer er gegängelt wird) ist nicht meine. das Menschenbild ist nicht meines. da spielt auch Philosphie mit rein. Ganz radikal: ich war in der dritten Welt unterwegs, die Menschen bekommen nichts und kämpfen täglich. Ich halte deren Existenz für würdiger als die Existenz von Menschen die (meinetwegen unverschuldet) ein Leben lang Stütze bekommen. Ich halte es für höchst unsozial Menschen nicht dazu zu zwingen alles für Ihre Existenz zu tun.
Wir tun gut daran die Menschen freier zu machen, ihnen mehr Bildung zu geben als ihnen immer wieder zu erzählen der Staat löst ihre Probleme. Ja, die Banker sind gierig, aber wer zwingt mich bei der HSH Nordbank (übrigens staatlich) ein Konto zu eröffnen? Wer zwingt mich Fleisch aus Massentierhaltung kaufen?
Die Grünen verstehen sich übrigens immer besser auf diese Themen: mündiger Verbraucher ist mehr freie Marktwirtschaft als Atomsubventionen. Ich gebe also keiner Partei pauschal den Vorzug.
9 ben gunn // Nov 18, 2010 at 13:12
Was dich zwingt? Dein Hang zur Wirtschaftlichkeit. Wenn du in wirtschaftlichen, effizienten Bahnen denkst, wirst du zu dem Schluss kommen, dass “Eigenverantwortung” in dieser Prägung gut ist.
10 marc // Nov 18, 2010 at 13:22
Richtig, aber: Wirtschaftlichkeit ist der Kern des Ganzen, der Kern friedlichen Zusammenlebens. bsp: es gibt bei einer urlaubsplanung mit Freunden viele Dinge über die man streiten kann (Ziel, Ablauf) aber es gibt keinen Streitpunkt darüber dass alle ihren Anteil zahlen. Sonst entsteht (auch bei nicht-Kapitalisten) sofort Unmut.
Ich selber bin (ob du es glaubst oder nicht:-)) sehr ideel unterwegs: viel ehrenamtliche Arbeit.
Aber: ich muss doch für mich selbst sorgen können, ich kann doch nicht von anderen verlangen für mich zu sorgen.
ich habe doch nichts gegen Menschen die nicht profitorientiert sind (im gegenteil: ich bewundere sie), aber sie müssen für sich wirtschaftlich sein oder sich finanzieren. Alles andere ist doch nur heuchelei: “sei nicht so gierig und gib mir was ab”.
ich bin, wie du, für mehr Werte, für mehr unwirtschaftliches Engagement.
“Eigenverantwortung” kann für mich auch heissen: ich will nur ganz wenig verdienen und ideell leben. Aber nicht: ich will leben und andere sollen zahlen.
11 ben gunn // Nov 18, 2010 at 13:30
dann müsste man verbieten, mit Geld Geld verdienen zu können.
HartzIV-Empfänger haben ja auch eine Aufgabe und werden nicht bedingungslos bezahlt, sie werden dafür bezahlt zu konsumieren, eine Drohung für die Arbeitenden dazustellen und der Prügelknabe zu sein. So ganz anstrengungslos ist das also nicht.
und nochmal: wirtschaftliches Denken führt in diesen Zusammenhängen zu nichts, denn der Sozialstaat ist ja kein Ergebnis dieser Wirtschaftlichkeit, sondern als Gegenpol dazu geschaffen worden.
Du definierst den Menschen als homo oeconomicus, ich als homo socialis…
12 marc // Nov 18, 2010 at 13:47
Der Sozialstaat widerspricht nicht dem wirtschaftlichen Denken, denn er ist ja Versicherung: ich selber kann ja arbeitslos und behindert werden. Zudem sichert er sozialen Fieden, ein hohes Gut. Nur aus letzterem Grund würde ich mich übrigens auch zu einer Erhöhung der Sätze kompromissbereit erklären. Ich bin auch nicht homo oeconomicus wenn ich weiss, dass die meisten sozialistischen Projekte eben gerade an dieser Wirtschaftlichkeit gescheitert sind: Kommunen der 68er, kommunistische Staaten usw
13 ben gunn // Nov 18, 2010 at 14:23
er widerspricht in dem Sinne einem radikalen wirtschaftlichen Denken, dass er nicht effizient ist. Warum Arbeitslose nicht verhungern lassen, wenn sie zuviele sind? Kostet nichts, wäre effizient. Warum Behinderte nicht abtreiben? Kosten doch nur und zahlen nie was zurück? Soziale Errungenschaften wurde immer gegen den wirtschaftlichen Widerstand erkämpft, Sklaverei, Kinderarbeit, die 5-Tage-Woche… egal was du nimmst. Wirtschaftlichkeit benötigt keine Versicherung. Soziale Absicherung soll nur die Extremformen der Wirtschaftlichkeit abdämpfen. Kommunen und kommunistische Staaten sind nur im Vergleich mit dem Faktor der Wirtschaftlichkeit gescheitert, wenn du mit diesen Augen die Welt betrachtest muss alles scheitern, was nicht wirtschaftlich ist…
14 marc // Nov 18, 2010 at 16:48
Natürlich haben der Staat und die Demokratie immer höhere Ziele als reine Wirtschaftlichkeit. Das hat auch die oben genannte reisegruppe. Aber es geht eben nicht ohne, das hat schliesslich den Kommunismus scheitern lassen.
Ein bekanntes Zitat lautet (ich glaube von Abs): “Profite sind wie die Luft zum Atmen, ohne sie geht es nicht. Ich bin nicht nur auf der Welt um zu atmen, aber atmen muss ich”.
Und nochmal: wir leben in Deutschland schon lange nicht mehr in dem Stadium wo es darum geht Kinderarbeit abzuschaffen. Wir leben im Sozuialismus-aber das siehst du genau andersrum
15 ben gunn // Nov 18, 2010 at 22:14
tja, dann haben wohl einige keine Luft mehr zum Atmen, wenn man Arbeitslohn als Profit von Arbeit sieht, sonst müsste der Staat ja nicht den Lohn aufstocken, damit es zum Leben reicht… und wenn du meinst, wir lebten im Sozialismus, weiß ich ehrlich gesagt nicht wie ich dir helfen kann… dafür muss man dermaßen viel ausblenden und nicht sehen wollen…
da bin ich mit meinem Latein am Ende, auch wenn sich das schon relativ früh abgezeichnet hat, als du von “Asylanten die das Fundatment des Sozialstaats bedrohen” sprachst….
16 marc // Nov 19, 2010 at 09:47
Meine Anhaltspunkte warum wir eher im Sozialismus leben: über 50% (!) Staatsquote. hohe Subventionsquote v.a. im Osten. Über 50% (!) meines Gehaltes wird staatlich verteilt oder in Kanöle gelenkt (Steuern, Versicherungen, Soli). Bis vor kurzem (jetzt abgeschwächter) : der Staat schreibt Schule und Lehrpläne vor und hat die Studienplätze über die ZVS verteilt.
Natürlich: mir ist schon klar, dass wir kein sozialistisches System haben, ich will damit wieder übersitzt darauf hinweisen, was hier eigentlich passiert und was kalter Kapitalismus wäre.
Ich stehe auch zu diesem System, denn richtiger Sozialismus würde zudem bedeuten: der Staat schreibt mir vor wo ich zu arbeiten hätte, der Staat schreibt mir vor was ich zu konsumieren hätte, der Staat verteilt die Machtposten.
Darüberhinaus (und ich will damit nicht die leute beleidigen die es schwer haben mit wenig geld auszukommen) : jeder Hartz-4 Empfänger hat einen höheren Lebensstandard als in jedem sozialistischen Land dieser Welt.
17 marc // Nov 19, 2010 at 10:06
Und zum Thema “von Lohn nicht leben können”. Vorweg: ich bin für den Mindestlohn, damit endlich Ruhe im Karton ist.
Aber betrachtet man es rein ökonomisch (was man nicht nur machen darf, deshalb bin ich für die Einführung) fallen eben einfach die kleinen Jobs weg. Erdbeeren bringen nunmal nur einen kleinen Preis, sie werden dann halt einfach nicht mehr gepflückt. Und wenn du jetzt sagst: dann müssen halt die Preise für Erdbeeren steigen, damit vernünftiger Lohn gezahlt wird, sage ich: ok, aber wenn die Preise erhöht werden bleibt dann auch wieder nichts vom Mindestlohn. Lohn-Preis-Spirale sagt der Ökonom dazu. Bin ich gegen höhere Löhne wenn Firmen Gewinne machen? Nein, aber das ist Sache der Gewerkschaften vor Ort zu sagen “ihr verdient gut, wir machen gute Arbeit, gebt uns was ab sonst stehen die Bänder still”-das passiert ja auch. Führt man das aber in der Fläche ein stehen halt bei einigen Firmen die Bänder für immer still. Durch Sozialismus kann man übrigens auch nicht den Negativwert der rechnung Erlös-Kosten abfangen. Die DDR und alle anderen haben diese rechnung versucht.
Andere Länder fahren ja angeblich so gut mit dem Mindestlohn: Frankreich? Extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit und immens teure Lebenshaltungskosten. USA? dazu sage ich nichts.
Löhne steigen durch: Qualifikation, Flexibilität, Engagement, starke (vernünftige) gewerkschaften die für ihre Leute verhandeln, Gesetze gegen Lohnmissbrauch. Nicht durch Diktat.
18 marc // Nov 19, 2010 at 10:26
Aber (zum Abschluss): ich gestehe ein, dass alle Argumente ökonomischer Natur sind. Ich lege dar wie eine Gesellschaft (für alle) viel Wohlstand erreicht. Jedoch: vielleicht wollen wir das garnicht, vielleicht wollen die Menschen lieber alle weniger haben und dafür keine Milliardäre. Vielleicht geht eine Nation auch lieber mal pleite, hat daür aber nicht den Mammon angebetet.
Einverstanden, das hat die Demokratie zu entscheiden.
19 thom // Nov 23, 2010 at 13:25
@marc, ich möchte da mal was zu sagen,
bezüglich:
“Meine Anhaltspunkte warum wir eher im Sozialismus leben: über 50% (!) Staatsquote. hohe Subventionsquote v.a. im Osten. Über 50% (!) ”
1.) Du hast leider keine Ahnung was Sozialismus ist oder sein sollte.
2.) Werden immer Dinge subventioniert, die politisch oder wirtschaftlich gewollt oder gerade nötig sind, ob Kernkraft, Militär, oder was auch immer (dies gilt natürlich auch für Bildungseinrichtungen und zwar in privater als auch öffentlicher Hand etc.pp)
3.) Eine Staatsquote hat nichts mit Sozialismus zu tun, schönes Beispiel: Wattenfall, gibt aber beliebig andere.
Ich möcht dich nicht von deinem Pfad abringen, wenn die Menschen so leben möchten, ist’s ja recht. Mich hat die Geschichte gelehrt, daß weder Marktwirtschaft noch Planwirtschaft in der Lage sind, unsere Probelme zu lösen, solange wir für die Wirtschaft operieren, steht da was auf’m Kopf.
20 marc // Nov 26, 2010 at 12:44
@thom: Marktwirtschaft ist untrennbar von Demokratie. Man kann nicht den Bürgern Rechte geben und ihnen gleichzeitig sagen “das geld dass du verdienst gehört aber mir, dem Staat, damit ich es den armen geben kann” (was dann ja nie passiert im Sozialismus, das nur mal nebenbei, denn Bürokraten sind die größten Kapitalisten wenn es um die eigene Tasche geht). Somit gibt es in einer Demokratie keine Alternative zur Marktwirtschaft. Ich stimme zu wenn du sagst: wir brauchen mehr gute Politik, kein Lobbyismus, mehr Bildung, mehr Regulierung, mehr Menschlichkeit, mehr nachhaltige (ökologische) Steuerung usw. Aber „Marktwirtschaft ist falsch“ heisst Demokratie ist falsch.
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