Vor rund 1 1/2 Jahren war hier ein Zimmer frei und ich stellte es ins Netz. Irgendwann kam eine E-mail aus Israel auf diese Anzeige und damit nahm alles seinen Lauf.
Für ein paar Monate wohnte ein Israeli in meiner Wohnung und sollte meine Perspektive auf einiges verschieben.
Es is müßig von weit weg und ohne Bezug über den Nahostkonflikt zu reden, sich die verschiedenen Seiten anzugucken und Stellung zu beziehen. Es ist müßig zu glauben, man wisse was richtig und was falsch ist und wer richtig und wer falsch handelt. Erstens ist es müßig, weil es niemanden interessiert und zweitens weil es niemandem hilft.
Und dann glaubt man, man wisse wie der Hase läuft und regt sich furchtbar über das Handeln der israelischen Armee auf und plötzlich steht ein ehemaliger isrealischer Soldat vor deiner Tür und wohnt mit dir Wand an Wand.
Und plötzlich fängst du dich an zu fragen, was das eigentlich alles soll. Wie kommt ein Israeli auf die Idee in Deutschland zu studieren? Was studiert er überhaupt? Wie fühlt er sich so weit von zu Hause weg in genau diesem Land? Was denkt er über sein Land, dessen Geschichte, dessen Konflikte, was denkt er über mein Land, dessen Geschichte und mich? Wie fühlt es sich an in einer Wohnung zu leben mit einem Typen dessen beide Großväter in der Wehrmacht waren, schreckliche Dinge taten und den Krieg überlebten, wenn die eigenen Großväter zu dieser Zeit umgebracht wurden?
Und plötzlich ist Geschichte nicht mehr nur Geschichte.
Und warum sollte mich das alles interessieren, wenn er doch nur einfach ein Mensch ist, der in deiner Wohnung wohnt und mit dir zusammen lebt…
Im Laufe der Zeit haben wir uns besser kennengelernt, obwohl wir noch lange nicht alles besprochen haben, was wir hätten besprechen können und weil die Welt komplizierter ist, als sich manche vorstellen wollen oder können, weil ich es für müßig halte sich von weit weg eine Meinung zu bilden und weil ich es leid bin immer nur zu lesen was alles schief läuft in Nahost, wer wieder was getan hat, wer leidet, wer tötet und wer getötet wird will ich euch etwas anderes zeigen.
Ich will euch zeigen, was ein Israeli macht, wenn er versucht mit dem Konflikt, mit seiner Heimat, mit all dem umzugehen und seinen Weg zu finden. Ich will euch zeigen, dass es eine Zukunft gibt, dass der Status Quo nicht die Lösung ist, dass mehr passiert als wir wahrnehmen und das nicht so leicht ist eine klare Meinung zu diesem Thema zu haben.
So wird es ab jetzt für ein paar Monate jede Woche etwas aus Isreal zu lesen geben.
5 Antworten bis jetzt ↓
1 thevdc // Aug 30, 2010 at 21:37
Ich bin gespant!
2 Desparada // Aug 30, 2010 at 22:40
Ja, ich bin auch gespannt.
3 S-Man // Aug 30, 2010 at 22:49
Cool, mal schauen
4 thom // Aug 31, 2010 at 08:45
Schauen wir mal was es da so zu berichten gibt. Das Problem oder auch die Herausforderung dieser Welt ist ja gerade, daß Sie nicht Schwarz/Weiss sondern verschieden Grau, bisweilen bunt ist. Und Wahrheit ist genauso relativ und hängt im Kontext vom geistigen und räumlichen Standpunkt des Betrachters ab. Ich denke, dein Nachbar wird Dir genau diese Sicht der Dinge erklären, denn die sind Schuld gibt es nicht, da gehören mindestens 2 oft sogar noch merh dazu.
5 ninjaturkey // Sep 1, 2010 at 12:48
Prima, harre ebenfalls erwartungsvoll der Dinge die da kommen.
Besonders weil ich in einem Alter bin, in dem man eine Haltung und eine weitgehend feste Meinung erworben hat. Da kommen etwaige Möglichkeiten, die eigene Perspektive zu verschieben gerade recht.
Bis denn.
Hinterlasse ein Kommentar