Wer jetzt aus seinen Löchern kommt…
Geschrieben von ben gunn am 2. September 2010Wir könnten jetzt spekulieren, wie Sarrazin Äußerungen soviel Beifall finden und von wem dieser kommt. Aber hilft uns das?
Ich habe eigentlich keine Lust mehr, auf solche Leute, denn sie sind angstgetrieben, asoszial und feige und mit solchen Leute will man eigentlich nichts zu tun haben.
Aaaaber: Sarrazin und seine Freunde sind über “das Juden-Gen” gestolpert und das auch nur aus Zufall. Wäre dieses Wort nicht in die Welt gesetzt worden wäre es sehr viel schwieriger gewesen diese Leute abzuservieren und das macht es weiterhin so bitter nötig ein “Gutmensch” zu sein.
Denn mit wem haben wir es zu tun? Mit kleinen Schreibtischtätern und mit Nadelstreifen-Nazis die sich auf Minderheiten stürzen, wenn sich diese nicht wehren können. Es geht gegen Arbeitslose, gegen Moslems, gegen Schwule und gegen sozial Schwächere. Wie wir an Frau Armgard Seegers gesehen haben lässt sich aus dieser Mischung eine ekelhafte Suppe kochen, die wir alle auszulöffeln haben.
Anscheinend ist wieder etwas Mode geworden was man Technokratie nennen könnte oder schlimmeres, es wird so getan als wenn es einen pseudo-wissenschaftlichen Zugang zu “Gesellschaft” gibt und diese über Taschenrechner und Reagenzglas zu verändern sei. Es geht nicht mehr um Menschen und dagegen müssen wir etwas tun.
Ich mag keine düsteren Prognosen aber wie weit sind wir wieder von der Diskussion um ein “sozialverträgliches Frühableben” entfernt? Wie weit sind wir davon entfernt zu argumentieren, dass Behinderte sterilisiert gehören, da sie der Gesellschaft nur Kosten verursachen? Wie weit davon entfernt, dass wir Menschen aufgrund ihrer Religion verfolgen (solange man “Juden-Gen” nicht sagt?).
Und da so oft von Parallelgesellschaften gesprochen wird: Wer lebt eigentlich in einer Parallelgesellschaft? Die reichsten 10% dieses Landes? Die gewählten Spitzenpolitiker? oder die restlichen ca. 89%? Wer glaubt hier eigentlich entscheiden zu dürfen und über wen?
Ich habe keine Lust mit Menschen zu reden, die glauben, dass Religion genetisch vererbbar ist, dass es genau zwei Kulturen gibt, unsere gute und die schlechte der anderen, dass Kultur Menschen zwingt sich exakt so zu verhalten (wir gut, die schlecht), dass wirtschafticher Nutzen über Menschenleben zu entscheiden habe, dass Bildung nur in wirtschaftlichen Zusammenhängen zähle, dass “Ausländer” uns bedrohen, dass alle uns etwas wegnehmen wollen, weil sie neidisch auf unsere tolle Wirtschaft, Kultur, Sozialsystem sind, dass wir zu entscheiden haben wer wie viel vom Kuchen abkriegt.
Von daher ist Sarrazin nur ein kleiner Baustein, ein kleiner Anlass für diese ganzen Arschlöcher mal den Kopf aus den Löchern zu stecken wo wir sie dann endlich (!) einmal sehen können.
Es geht nicht nur um diesen kleinen anscheinend modernen Rassismus, es geht um viel mehr, leider, aber wie es schon in dem Artikel von fixmbr anklingt: ein guter Zeitpunkt um uns neu aufzustellen…
Die Wahl bedeutet nicht Claudia Roth oder Thilo Sarrazin, es geht viel mehr um “Freiheit statt Angst”, denn es geht gegen Angst.
Armgard Seegers führt eine Schmierenkomödie auf…
Geschrieben von ben gunn am 1. September 2010Armgard Seegers ihreszeichens die Frau von Hellmuth Karasek äußert sich im Hamburger Abendblatt zu Sarrazin und schreibt sich regelrecht in Rage. Ich habe den Artikel jetzt zweimal gelesen und ich kriege meine Kinnlade immer noch nicht wieder hoch. Das Frau Seegers im Chaos ihrer Gedanken zu stolpern scheint zerlege ich den “Artikel” hier Stück für Stück, so dass man die Gedankengänge und stilistischen Konstruktionen besser erkennen kann:
Jeder darf seine Meinung in Wort und Bild frei äußern, so steht es im Grundgesetz. Zu Recht halten wir uns viel darauf zugute, dass in unserer Demokratie alles gesagt und geschrieben werden darf, was die Würde anderer Menschen nicht verletzt. Denn in den wenigsten Ländern der Welt gelten diese Werte. Glücklich darüber, in Deutschland zu leben, sind wir deshalb trotzdem nur, wenn gerade eine Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet, Sommermärchen inklusive.
So fängt sie an die gute Frau Seegers und sie nutzt diese Aussage im weiteren Verlauf sehr gut aus wie wir sehen werden. Zunächst stellt sie also fest, dass man in Deutschland seine Meinung sagen darf, wenn man niemanden in seiner Würde verletzt.
Viele Menschen in unserem Land teilen still die Übereinkunft, dass man, anders als beispielsweise Amerikaner, Franzosen oder Dänen, positive Heimatgefühle zu verleugnen hat. Weil Hitler “Doitschland” schrie und 60 Millionen Menschen dafür sterben mussten, tun wir heute bei jeder Auslandsreise so, als kämen wir aus Schweden, Irland oder Holland. Stolz aufs Deutschsein sind wir lieber nicht.
Gut, Frau Seegers unterschlägt dabei zwar ein paar Millionen Deutsche, die nicht “Doitschland” gerufen, dafür aber 60 Millionen Menschen erschossen, erschlagen, vergast, umgebracht, misshandelt, vergewaltigt, und erniedrigt haben und wir vielleicht in Ländern die von unserern Großvätern in Uniform besucht wurden nicht die dickste Lippe riskieren wollen mit unserem “Stolz auf Deutschland”. weiter…
Israel und endlich mal was anderes…
Geschrieben von ben gunn am 30. August 2010Vor rund 1 1/2 Jahren war hier ein Zimmer frei und ich stellte es ins Netz. Irgendwann kam eine E-mail aus Israel auf diese Anzeige und damit nahm alles seinen Lauf.
Für ein paar Monate wohnte ein Israeli in meiner Wohnung und sollte meine Perspektive auf einiges verschieben.
Es is müßig von weit weg und ohne Bezug über den Nahostkonflikt zu reden, sich die verschiedenen Seiten anzugucken und Stellung zu beziehen. Es ist müßig zu glauben, man wisse was richtig und was falsch ist und wer richtig und wer falsch handelt. Erstens ist es müßig, weil es niemanden interessiert und zweitens weil es niemandem hilft.
Und dann glaubt man, man wisse wie der Hase läuft und regt sich furchtbar über das Handeln der israelischen Armee auf und plötzlich steht ein ehemaliger isrealischer Soldat vor deiner Tür und wohnt mit dir Wand an Wand.
Und plötzlich fängst du dich an zu fragen, was das eigentlich alles soll. Wie kommt ein Israeli auf die Idee in Deutschland zu studieren? Was studiert er überhaupt? Wie fühlt er sich so weit von zu Hause weg in genau diesem Land? Was denkt er über sein Land, dessen Geschichte, dessen Konflikte, was denkt er über mein Land, dessen Geschichte und mich? Wie fühlt es sich an in einer Wohnung zu leben mit einem Typen dessen beide Großväter in der Wehrmacht waren, schreckliche Dinge taten und den Krieg überlebten, wenn die eigenen Großväter zu dieser Zeit umgebracht wurden?
Und plötzlich ist Geschichte nicht mehr nur Geschichte.
Und warum sollte mich das alles interessieren, wenn er doch nur einfach ein Mensch ist, der in deiner Wohnung wohnt und mit dir zusammen lebt…
Im Laufe der Zeit haben wir uns besser kennengelernt, obwohl wir noch lange nicht alles besprochen haben, was wir hätten besprechen können und weil die Welt komplizierter ist, als sich manche vorstellen wollen oder können, weil ich es für müßig halte sich von weit weg eine Meinung zu bilden und weil ich es leid bin immer nur zu lesen was alles schief läuft in Nahost, wer wieder was getan hat, wer leidet, wer tötet und wer getötet wird will ich euch etwas anderes zeigen.
Ich will euch zeigen, was ein Israeli macht, wenn er versucht mit dem Konflikt, mit seiner Heimat, mit all dem umzugehen und seinen Weg zu finden. Ich will euch zeigen, dass es eine Zukunft gibt, dass der Status Quo nicht die Lösung ist, dass mehr passiert als wir wahrnehmen und das nicht so leicht ist eine klare Meinung zu diesem Thema zu haben.
So wird es ab jetzt für ein paar Monate jede Woche etwas aus Isreal zu lesen geben.
Statistik-Nachhilfe für Sarrazin
Geschrieben von ben gunn am 30. August 2010Da Herr Sarrazins Umgang mit Zahlen etwas kreativ genannt werden kann, schlagen wir ihm doch noch mal schnell was aus der Hand:
Herr Sarrazin macht hier Äpfel zu Birnen, (lassen wir dabei zur Seite, dass es keine Gesamtheit muslimischer Einwanderung gibt, wohl aber eine Islamophobie bei Herrn Sarrazin) denn “wirtschaftlich gebracht” haben uns Migranten eine Menge, nur eben nicht heute und gekostet haben sie uns nichts, nur eben heute.
Ohne Migranten wäre das Wirtschaftswunder nicht so üppig ausgefallen, die Butterberge nicht so hoch und Deutschland nicht Exportweltmeister geworden. Nur: man hat sich damals die sozialen Kosten einfach gespart und darauf gehofft das unsere herangekarrten Tagelöhner wieder verschwinden wenn die Luft dünn wird.
Sarrazin meint den Erhalt der Rückkehrfähigkeit und sagt Integrationsmangel dazu, Deutschland hatte kein Interesse an Migranten die auch hier bleiben, sie sollten “wirtschaftlich was bringen” mehr nicht.
Einem Sarrazin mag dabei (wie vielen Politikern) ein wenig aus dem Blick geraten sein, dass es sich um Menschen handelt, die sich eben wie Menschen verhalten und die wie Menschen behandelt werden wollen.
Ja statistisch hat Herr Sarrazin recht, wenn man Ursache und Wirkung vertauscht und ca. 50 Jahre Leben ignoriert…
“Google Me”…
Geschrieben von ben gunn am 30. August 2010allein der Titel sollte schon abschreckend genug sein…
Mit Angstro verleibt sich Google einen Spezialisten für soziale Netzwerke ein, der unter anderem Informationen aus Facebook und LinkedIn sammelt und bereitstellt. Beispielsweise sucht Angstro nach neuen Fotos und anderen Daten in Facebook, wertet LinkedIn-Profile aus und erstellt daraus ein soziales Adressbuch, das Daten verschiedener Netzwerke zusammenfasst, nach Relevanz bewertet und präsentiert.
Nein, auch nicht strafbar, nimmt auch nur das, was schon im Netz ist und es wird auch nur gespeichert wen du kennst und woher und das doch auch nur um ein gutes soziales Netzwerk zu basteln…
Sarrazin mal wieder…
Geschrieben von ben gunn am 29. August 2010Es ist ja nicht genug, dass Sarrazin von genetischer Vererbung des Intelligenzquotienten faselt oder einem “Juden-Gen” also der genetischen Vererbung einer Religionszugehörigkeit nein dazu kommt jetzt noch, dass er seine angeblichen Fakten einfach… ja selber ausdenkt:
Langsam wird es einfach zu viel “des Guten”, oder wie offentsichtlich schwachsinnig muss es denn noch werden?
Also doch noch Streetview…
Geschrieben von ben gunn am 29. August 2010Eines vorweg: Ich verstehe einfach nicht, was der große Gewinn dabei sein sollte und warum manche glauben zu Verteidigern eines Konzerns werden zu müssen. Ich kann mir Häuser auf der Welt angucken… na super… hatte ich dieses Bedürfnis, interessiert es mich welche Farbe die Haustüren in Pusemuckel haben? Eher nicht, vielleicht ist mir dafür meine Zeit zu schade.
Davon abgesehen, dass ich dem anscheinendem Kern der Geschichte also relativ leidenschaftslos gegenübertrete gibt es aber noch andere Aspekte:
Warum lässt ein Hersteller von Fingerabdrucksensoren Abrechnungssysteme zu subventionierten Preisen in englische Schulen einbauen? Warum gibt es Computermäuse, Computer etc. mit Fingerabdrucksensoren ohne Extrakosten? Warum gibt es in Berlin Kindergärten mit elektronischem Zugangssystem?
Weil wir an etwas gewöhnt werden sollen. Wir sollen uns daran gewöhnen, dass Kameras, Überwachung, Erfassung, Datenerhebung Speicherung völlig normal ist, Nutzen mit sich bringt und zu unserem Besten ist.
Warum? Ein Vertreter einer Überwachungs-Hardware-Schmiede sagte einmal in einem Fernsehinterview sinngemäß: Warum fragen sie mich nach den ethischen Bedenken der Überwachungsgegner, wir sind eine Firma die Überwachungstechnik herstellt und verkaufen will und darauf arbeiten wir hin: den Verkauf unserer Produkte…
Google-Streetview eignet sich nicht als klarer Gegner, weil es eben nicht strafbar ist, weil wir eben nicht überwacht werden, es werden keine Fotos von uns gemacht, wir sind nicht identifizierbar.
Aber eine Frage drängt sich doch auf: warum sollte Google das alles machen, wenn dabei nichts für sie herausspringen sollte?
Ich habe vor ein paar Monaten einen Rating-Agentur-Spanner von der Straße gejagt, der hier alle Häuser und die dazugehörigen Autos fotografierte… der könnte sich in Zukunft eine Menge Laufarbeit ersparen… zum Beispiel.
Das wäre ein Aspekt, ein anderer ist sehr viel theoretischer, aber eigentlich ein alter Hut: wie verändert Überwachung den Menschen, die Gesellschaft? Warum fragt man mich in den Kommentaren nach meinem Impressum? Was wäre, wenn meine Adresse dort stünde und die kleinen Spanner-Kommentatoren die nichts beizutragen haben außer Bloggern hinterherzuspannen auch noch mein Haus im Internet berachten könnten?
Wie würde es mich und mein Tun beeinflussen wenn die ganzen Spinner, Rassisten, Nazis, Freaks (die ich euch per Löschung erspare) alles über mich wissen könnten und ich keinen Einfluss mehr darauf hätte wer was von mir weiß?
Die gute alte “Disziplinierung der Gesellschaft” und “das Panoptische Prinzip” melden sich mal wieder zurück…
Die Mechanismen der Volksverhetzung
Geschrieben von ben gunn am 24. August 2010Thilo Sarrazin, seineszeichens Rassenhygieniker und Stammtischprinzessin war ja schon für manche Dummheit gut. Jetzt stürmt er zusammen mit der Inkarnation des unabhängigen Journalismus, der Bild-Zeitung, an die Volksgesundheitsfront und darf ein wenig von der Rassenschande phantasieren.
Weil Herr Sarrazin bis jetzt durchweg durch durchdachtes Überlegen, Hinterfragen und Analysieren aufgefallen ist, darf niemand etwas über sein neuestes Buch schreiben, bis es offiziell auf den Markt kommt und bis dahin exklusiv von der Bild über angeblich provokante Thesen informiert wurde…
Nun ja, die TAZ hat ein wenig die spärlichen “Thesen” aus Bild und Spon gepopelt und ist auf die alten verklemmten Sexualphantasien eines verwirrten Mannes gestoßen. Zusammengefasst:
- die Ausländer sind unser Untergang
- die Ausländer in Deutschland sind alle nicht zu gebrauchen
- Moslems überrollen uns
- der Krieg wird in der Gebärmmutter entschieden
Dabei inszeniert er sich wie gewohnt als oberster Tabubrecher der Nation, was nur funktioniert wenn man Menschen wie Horst Mahler oder anderen diesen Titel nicht zuschreiben möchte, ist ihr “Tabubruch” doch der gleiche.
Jetzt mag man (mal wieder) Sarrazins Kriegserklärung als uninformierte Panikmache abtun und sich elaboriert mit dessen “Thesen” auseinandersetzen und dabei übersehen was passiert: Sarrazin betreibt Volksverhetzung, planvoll, multipliziert und sich steigernd.
Wie viele Bildzeitungsleser gibt es? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit unter diesen eine kritische Auseinandersetzung mit den gebotenen “Informationen” zu finden? Sarrazins Äußerungen werden Taten nach sich ziehen, zunächst mag er noch die Stammtische in Wallung bringen, aber dabei wird es nicht bleiben. Man mag noch hinzunehmen, dass im Oktober Geert Wilders Berlin besuchen wird um ein wenig in Sachen Nationalismus und Rassismus die Fühler auszustrecken. Man mag noch sehen, wie sich Gruppen wie “Pro Köln”, PI, “Pro Deutschland”, “Pax Europa” verbreiten, wie Broder hetzt und wie Politiker schweigen.
Wir werden noch ekelhafteres erleben…
(So geht es denn auch fröhlich weiter bei der Welt: Dort wird behauptet Sarrazin bemühe sich um einen sachlichen Ton und gibt unreflektiert wieder, dass Sarrazin “ins Morgenland” ziehen könne, wenn er vom Muezzin geweckt werden wolle, verschweigt woher dieser Begriff kommt und was er impliziert. Weiterhin verbreitet die Welt Sarrazins Forderung nach zentraler Speicherung aller Migranten (wie wär es mit nem Zeichen auf der Brust?) und diverser Repressionen. Dabei haben sie die Frechheit diese Ausschlussphantasien noch mit “Integration ist die Pflicht von Migranten” zu überschreiben…)
Wieder da
Geschrieben von ben gunn am 23. August 2010- Flughafensecurity ist mit das absurdeste was es gibt
- der Flughafen Göteborg hat eine Gebetskabine (mit Mekka-Pfeil)
- zufällige Elch-Treffen im Wald sind immer wieder beeindruckend
- Norweger versteht man noch schlechter
- deutsche Touristen fahren in schwedische Second-Hand-Läden um dort für viel Geld abgelegte deutsche Dinge zu kaufen
- warum zur Hölle lebe ich ich eigentlich immer noch in dieser Stadt?
jetzt erstmal liegengebliebenes sortieren, Überblick gewinnen und wieder ankommen…