Arbeit macht frei! (oder was Frau Kraft eigentlich gesagt hat)
Geschrieben von ben gunn am 10. März 2010(via nrwspd)
und weil so ein Video nicht nur gemacht wird, weil es so dynamisch und modern wirkt, sondern weil man auch nicht so genau hinguckt, was da eigentlich so gesagt wird, gucken wir doch mal genau hin:
Wir haben das in unserem Programm den sozialen Arbeitsmarkt
“Sozialer Arbeitsmarkt” in der Sozialen Marktwirtschaft, die ja irgendwie nicht sozial sein kann, wenn man noch einen “Sozialen Arbeitsmarkt” schaffen muss…
genannt, er ist geeignet für Menschen und gedacht für Menschen, die Hartz-IV-Empfängerinnen und Hartz-IV-Empfänger sind und über mehrfache Vermittlungshemmnisse verfügen, das heißt bei denen kommen mehrere Handicaps zusammen und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass sie es nicht schaffen werden auf dem regulären ersten Arbeitsmarkt zurückzukommen.
Die Zielguppe ist also klar: Langzeitarbeitslose, die nicht vermittelbar sind, weil sie alt, krank oder unqualifiziert sind.
Diese Menschen haben eine Chance verdient, die sind mir bei der “Tatkraft”-Tour in großer Zahl begegnet. Sie wollen arbeiten, sie wollen sich einbringen, sie sind froh darum, dass sie soziale Kontakte haben, wenn sie einen 1€-Job haben, sie sind froh darum, dass sie gebraucht werden. Da geht es auch um Würde, dass ist mir wichtig.
Sie stellt also fest, dass die Hartz-IV-Gesetze gegen die Würde des Menschen verstoßen, nun dagegen hätte sie etwas unternehmen können, als die SPD die Gesetze eingeführt hat und wenn sie die Würde des Menschen verletzt sieht hat sie sogar das Grundgesetz auf ihrer Seite…
Und diese Menschen, denen möchten wir gerne eine Chance geben in einem öffentlich finanzierten sozialen Arbeitsmarkt, ich hab das jetzt gemeinwohlorientierter Arbeit gesprochen. Es gibt ne Menge zu tun in unseren Städten und Gemeinden und diese Menschen wollen sich einbringen. Bei einem 1€-Job müssen sie nach einem, spätestens nach eineinhalb Jahren raus und sind wieder in der gleichen Situation wie vorher. Sie wollen klare Perspektiven und das müssen sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse sein, die oberhalb von 1€-Jobs bezahlt werden und wo die Menschen sich in der Art und Weise wie sie können auch einbringen können.
Nochmal zur Erinnerung: Ihre Zielgruppe sind unvermittelbare Langzeitarbeitslose, die niemand in der Wirtschaft oder sonstwo haben will. Deren klare Perspektive heute ist: Hartz-IV bis zur (ähnlich hohen) Rente. und diese 1€-Jobs wurden mit exakt der selben Argumentation eingührt: als Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt.
Damit da keine regulären Arbeitsplätze gefährdet werden muss auf der kommunalen Ebene entschieden werden, wo solche Jobs entstehen können.
Ist euch schon aufgefallen, wann sie von Arbeitsplätzen und wann sie von Jobs spricht?
Da gilt es eine Kommission zu bilden, eine Gruppe zu bilden aus Arbeitsgemeinschaften vor Ort aus der Kommune mit den Arbeitgebern, der Wirtschaft und natürlich auch den Gewerkschaften, die sollen gemeinsam darüber entscheiden wo solche Jobs sinnvoll sind. Wichtig ist mir: sie dürfen keine regulären Arbeitsplätze ersetzen.
Fassen wir also zusammen:
Langzeitarbeitslose, die keiner haben will, sollen Arbeit machen die keiner braucht und das länger als bisher möglich, dadurch erhalten Menschen ihre Würde und alles wird gut.
(und wir sehen sehr schön, warum Frau Kraft das Video als Medium gewählt hat…)